Die Sherpas

Die Sherpas

Auf den Namen Sherpa bin ich zum ersten Mal in den 80ger Jahren in der französischen Tageszeitung „La Voix du Nord" gestossen. Hier war die Rede von Jacques Attali, Sherpa von Präsident François Mitterrand. Ich erfuhr, dass dieser Beiname oft  den Stellvertretern oder persönlichen Beratern der Staatsoberhaupte, vor allem im internationalen Bereich erteilt wird. Danach entdeckte ich, dass mit der Bezeichnung Sherpa eine nepalesische Völkergruppe benannt wird, deren Ursprung in Tibet liegt. Ein Volk vom Osten.... Shar (Osten) und pa (Volk). In der Tat, die Sherpas haben in der Mitte des 16. Jahrhunderts den Osten Tibets verlassen um sich in den oberen Himalaya-Tälern an der Grenze von Nepal niederzulassen. Namentlich am Fuss des Mount Everest, dem Dach der Welt.

Die Sherpas Die Sherpas sind von jeher Viehzüchter, Bauern und Händler. Sie legen alle Strecken zu Fuss zurück und messen Entfernungen in Zeitmass. In dem Landstrich von Khumbu, dem Herzen des Sherpa-Gebiets, gibt es keine Strassen. Daher bedingt ein Leben am Himalaya von jeher den Fussmarsch und das Tragen von Lasten. Das Volk hängt dem buddhistischen Glauben an und unterhält eine starke Verbindung zu allem Sakralen. Bezeichnen die alten Texte, seien sie hindouistisch als auch buddhistisch, die Himalaya-Kette  nicht als Usprung oder Zentrum des Universums ? Im Obdach der unzähligen Klöster, Grotten und Eremitagen welche die Berghänge bestücken, üben die dort meditierenden und lehrenden Mönche und Lamas einen grossen Einfluss auf die Sherpa-Gemeinschaft aus. Der Mount Everest, der seinen Namen dem englischen Oberst und Geophysiker George Everest verdankt, wird ab 1920 ein Höhepunkt der Herausforderung für die englischen Bergsteiger. Er wird zum Symbol des Übertreffens von sich selbst, des Widerstands gegen Belastung, Schwierigkeit, Müdigkeit und Angst in dieser „Death Zone". In der Geschichte des Everest offenbart sich das Beste und Erhabenste der menschlichen Natur. Eine Expedition folgt auf die andere mit dem Ziel den Gipfel der Welt, den Gipfel des Unmöglichen, zu bezwingen. Und rasch ergibt dies als Folgeerscheinung eine Änderung im Verhältnis, das die Sherpas zu dem „Wohnsitz der Götter" haben.
Die Sherpas

Am Fusse der Hochlagen anssässig, stark, tapfer, von physischer Ausdauer und an die Schwierigkeiten des Lebens im Hochgebirge gewohnt, wurden die Sherpas von westlichen Bergsteigern schnell als Träger und Begleiter bemerkt. Hierdurch ändern sich ihr Leben und ihre Berufe. Immer mehr von ihnen wenden sich dem Bersteigen zu und begleiten die Expeditionen auf ihrem Weg zum Gipfel sowie auf den Trecking-Ausflügen. Der berühmteste Sherpa bleibt Tenzing Norgay. Obgleich er weder Schreiben noch Lesen konnte, war er  in sieben Sprachen bewandt. Die Natur hatte ihn mit einer aussergewöhnlichen Entschluss- und körperlichen Kraft begütet. Am 29. Mai 1953 um 11 Uhr 30 gelang ihm mit dem Neuseeländer Edmund Hillary die Erstbesteigung des Mount Everest in der Höhe von 8.848 m. Der Name von Tenzing Norgay wurde weltbekannt und eröffnete den Einblick in das Leben der Sherpas. Er wurde von den Oberhäuptern vieler Länder empfangen und von der Königin Englands mit einer Medaille ausgezeichnet. 

Fabrice Larivière

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